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Herzinfarkt – wie geht es danach weiter?

In Deutschland leben etwa 1,5 Millionen Menschen, die einen Herzinfarkt durchgemacht haben. Die zum Herzinfarkt führende Erkrankung (Arteriosklerose) ist jedoch nach dem Herzinfarkt nicht verschwunden, sondern schreitet weiter voran und führt ohne Behandlung häufig zu einem 2. oder weiteren Herzinfarkten. Mit jedem Herzinfarkt besteht akute Lebensgefahr! Menschen, die bereits einen Infarkt hatten, sterben bei einem weiteren Infarkt häufiger. Mehrere Infarkte führen sehr häufig zu schwerer Herzmuskelschwäche.

1. Darum ist das wichtigste Ziel nach einem durchgemachten Herzinfarkt, einen weiteren Infarkt zu verhindern. Was der Patient und was die Medizin tun kann, um dieses Ziel zu erreichen, soll im Folgenden kurz zusammengefasst werden.

2. Viele Patienten sind nach einem durchgemachten Herzinfarkt verunsichert und fragen sich, ob sie wieder ein „normales Leben“ führen können. Die wichtigsten Fragen hierzu werden im 2. Teil beantwortet.

1.

Risikofaktoren für einen Herzinfarkt sind: Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Bluthochdruck, ungünstige Cholesterinwerte, Diabetes mellitus, stattgehabter Schlaganfall, erbliche Vorbelastung und höheres Lebensalter. Weitere Risikofaktoren sind die Schlaf-Apnoe, eine Depression und eine Grippe bei Menschen über 65 Jahre. Auf das Alter und die erbliche Vorbelastung (Herzinfarkt in der nahen Verwandtschaft) hat man keinen Einfluss. Alle anderen Risikofaktoren kann man aber sehr gut beeinflussen und damit das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt senken (Programm zur individuellen Risikobestimmung unter www.chd-taskforce.com). Jeder Patient kann durch diese Veränderungen in seinem Leben sehr viel erreichen:

  • Wer das Rauchen aufgibt, reduziert sein Infarktrisiko um ca. 35%! Hilfe z.B. bei www.tabakfrei.de.
  • Mindestens 3x wöchentlich körperliche Aktivität für ½ Stunde. Zusätzlich betreuen Herzsportgruppen chronisch Herzkranke im Sinne einer lebenslangen Rehabilitation am Heimatort. Sie lernen in den Herzgruppen die Einschätzung Ihrer eigenen körperlichen Belastbarkeit, die Beherrschung Ihrer persönlichen Risikofaktoren und die Bewältigung Ihrer persönlichen Behinderung durch die chronische Krankheit. Ein- bis zweimal pro Woche werden bundesweit in rund 6.000 Herzgruppen über 100.000 Patienten betreut. (Deutsche Gesellschaft für Rehabilitation und Prävention: www.dgpr.de)
  • Übergewicht durch gesunde Ernährung und körperliche Aktivität abbauen, angestrebter Bauchumfang bei Männern < 100 cm, bei Frauen < 90 cm (Hilfe zum Abnehmen z.B. bei www.weightwatchers.de)
  • Gesunde Ernährung (mediterrane Küche: Meeresfisch 2-3x/Woche, Olivenöl für Kaltes, Rapsöl zum Kochen/Braten, frisches Gemüse, Obst, 1 Glas Wein zum guten Essen), Alkohol auf max. 2 Gl. Wein oder 0,5 l Bier reduzieren. Kochkurs z.B. unter www.br-online.de/umwelt-gesundheit/thema/kochkurs).

Die Medizin kann durch regelmäßig eingenommene Medikamente das Herzinfarktrisiko ganz erheblich reduzieren. Die wesentlichen Substanzen sind:

  • Acetylsalicylsäure (ASS) : Hemmung der Blutplättchen
  • ACE-Hemmer: Steigerung der Herzleistung
  • Betablocker: Verbesserung der Herzaktivität
  • Statine: Reduktion der Blutfettwerte
  • Omega-3-Fettsäuren (hochkonzentriert): Stabilisierung des Herzrhythmus und von Gefäß-Plaques

Die konsequente, lebenslange Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Schlaf-Apnoe sowie die Behandlung einer Depression und jährliche Grippe-Impfungen bei Menschen über 65 Jahre sind ebenso wichtige Maßnahmen zur Verhinderung eines weiteren Herzinfarkts.

2.

Die allermeisten Menschen können nach einem Herzinfarkt ein „normales Leben“ führen. Einige häufig gestellte Fragen werden hier beantwortet:

Reisen? JA!

  • Möglichst nicht in den ersten 3 Monaten
  • Stressfreies Reisen
  • Auch mit dem Flugzeug
  • Mildes, gemäßigtes Klima bevorzugen
  • Keine schweren körperlichen Belastungen
  • Ärztliche Versorgung sollte erreichbar sein

Sauna? JA! Aber: nicht bei Herzmuskelschwäche⇛ Fragen Sie bitte Ihren Arzt!

  • Mittlere Temperaturen
  • Nicht zu lange
  • Lauwarm abduschen

Stress?  NEIN!

  • Reduzieren
  • Pausen entwickeln
  • Gelassenheit erlernen
  • Entspannungsverfahren
    - Progressive Muskelentspannung
    - Autogenes Training
    - Tai chi (Schattenboxen)

Sexualität? JA!       

  • Keine erhöhte Gefahr für das Herz
    - Ausgeglichenheit und Zufriedenheit in der Partnerschaft helfen gegen Depression
  • Medikamente gegen Erektionsstörungen
    - sind oft möglich
    - nur in Absprache mit dem Arzt
    - Nie zusammen mit Nitraten (z.B. Nitrospray, ISDN, Isoket) oder Molsidomin (Corvaton) 

 

Dr. med. Gerold Metzger, Kardiologie Europahaus Bochum

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