Home
Zielsetzung
Mitglieder
Veranstaltungen
Fachthemen
Rettungsdienst
Notfall
Herztag 2009
Spenden
Mitglied werden
Links

Gesammelte Fakten der Patienten im Herzinfarktverbund

Stand August

Mittlerweile liegen für den Zeitraum 01.11.2007 bis 30.06.2009 (20 Monate) die Datensätze von 630 akuten Herzinfarktpatienten vor, die in Kliniken des Herzinfarktverbundes Bochum versorgt wurden.

Die Abbildungen fassen die wesentlichsten Fakten zusammen. Der jüngste Herzinfarktpatient war 21 Jahre, die Älteste 93 Jahre. 67% der Patienten waren männlich, 33% weiblich. Weibliche Infarktpatienten waren durchschnittlich älter als Männer (Altersmedian für Frauen 71 Jahre, für Männer 63 Jahre).

Bei den kardiovaskulären Risikofaktoren lag die Bluthochdruckerkrankung an erster Stelle (61%), gefolgt vom Nikotinabusus (aktuell Raucher oder Ex-Raucher: 46%), von Fettstoffwechselstörungen (39%) und vom Diabetes mellitus (23%). Der Risikofaktor Nikotinabusus war bei Männern deutlich stärker vertreten als bei den Frauen (53% vs 33%).

80 der Patienten waren zum Zeitpunkt des Herzinfarktes jünger als 50 Jahre. Bei den jüngeren Infarktpatienten fiel ein ungewöhnlich hoher Anteil an Rauchern auf (71% vs 43%), relativ seltener waren dagegen die übrigen klassischen Risikofaktoren wie Hypertonie, Dyslipidämie oder Diabetes.

In der Mehrzahl der Fälle (75%) war keine Herzerkrankung bis zum Zeitpunkt des Herzinfarktes bekannt.

Durch den akuten Herzinfarkt verursacht mussten 6.5% der Patienten noch vor der Krankenhausaufnahme defibrilliert bzw. reanimiert werden. 54% der Patienten präsentierten sich in der Klinik mit einem ST-Hebungsinfarkt (STEMI), 43% mit einem NSTEMI. Die Vorderwand war die häufigste Infarktlokalisation (41%), gefolgt von der Hinterwand (35%), und der Posterolateralwand (11%).

In der Mehrzahl der Fälle (78%) wurde mittels Ballonkatheter (PTCA) das verschlossene Koronargefäß wiedereröffnet. Die Wiedereröffnung erfolgte in 55% der Fälle unmittelbar nach Aufnahme in ein Herzzentrum mit entsprechender technischer Ausrüstung (Akut-PTCA), in 23% der Fälle verzögert innerhalb der nächsten 24 Stunden. Für die Fälle mit verzögerter PTCA-Intervention lag der Anteil von Verlegungspatienten (Verlegung von einer Klinik ohne Herzkatheterlabor in eine Klinik mit Herzkatheterlabor) mit 38% relativ hoch (im Vergleich 26% bei der Akut-PTCA), der Anteil von Patienten dagegen, die über den Rettungsdienst der Feuerwehr (Telefon 112) eingewiesen werden, mit 31% relativ niedrig (52% bei der Akut-PTCA).

Eine Thrombolyse wurde nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt (1.75%). In ca. 21% der Fälle wurde/konnte keine Reperfusion im Herzkatheterlabor angestrebt/werden. Die Gründe dazu waren vielfältig (u.a. Überführung in die Herzchirurgie zur ACVB-Operation, hohe Comorbidität, keine Culprit Lesions erkennbar, gut kollateralisierter Koronargefäßverschluss, Koronarverschluss nicht passierbar).

Zusammenfassung

Herzinfarkte ereignen sich in der Mehrzahl der Fälle bei Menschen, bei denen zuvor keine Herzkrankheit bekannt ist. Beim weitaus überwiegenden Teil der Infarktpatienten sind jedoch klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren bekannt. Neben der Bluthochdruckerkrankung steht weiterhin der Nikotinmissbrauch im Vordergrund. Bei den jüngeren Infarktpatienten (< 50 Jahre) dominiert der Nikotinmissbrauch als Risikofaktor. Die Einweisung über den Rettungsdienst der Feuerwehr (Telefon 112) gewährt Sicherheit angesichts der Tatsache, dass in 6.5% der Fälle der akute Herzinfarkt zu einem lebensbedrohlichen Herzkreislaufstillstand führt. Darüber hinaus führt die Notfall-Einweisung in ein Herzzentrum mit invasiver Kardiologie und Herzkatheterbereitschaft zu einer zeitlich sehr zügigen Wiedereröffnung des in der Regel verschlossenen Koronargefäßes.

 

Für die Mitglieder des Herzinfarktverbundes
Prof. Dr. med. A. Mügge
Direktor der Kardiologie
Universitätsklinken St. Josef-Hospital und Bergmannsheil

nach oben
Scientific Sessions 2009
Diabetes als Wegbereiter