Herzrhythmusstörungen stellen eine der häufigsten Ursachen für den Besuch eines Herzspezialisten (Kardiologen) dar. Während diese in der Mehrzahl der Fälle harmlos sind, existieren auch potentiell lebensbedrohliche Formen, welche durch eine Reduktion des Blutflusses in den Körper zu einer Bewusstlosigkeit und bei längerem Bestehen auch Plötzlichen Herztod führen können. Die häufigste Form von Herzrhythmusstörungen sind Extraschläge (Extrasystolen), welche als stärker empfundener Herzschlag (Palpitationen) mit oder ohne nachfolgender verlängerter Herzschlagpause empfunden werden.
Anhand des durch die Herzrhythmusstörung produzierten Pulsschlages unterscheidet man einen zu langsamen Puls (Bradykardie > 60 Schläge / min) (Abbildung 1) oder einen zu schnellen Puls (Tachykardie > 100 Schläge / min) (Abbildung 2). Die genaue Diagnose des zugrunde liegenden Mechanismus der Rhythmusstörung wird überwiegend anhand der EKG-Aufzeichnung erfolgen. Da viele Rhythmusstörungen aber nur episodenhaft auftreten, können auch weiterführende Untersuchungen wie z.B. ein Langzeit-EKG (über 24 Stunden, über 7 Tage) notwendig werden (Abbildung 3). Eine weitere Möglichkeit der Diagnose und evtl. gleichzeitigen Therapie stellt die Herzkatheter-Untersuchung (Elektrophysiologische Untersuchung, EPU) dar, bei der unter lokaler Betäubung Katheter von der Leiste aus die elektrischen Eigenschaften des Herzens untersuchen lassen (Abbildung 4).



Es gibt unterschiedlichste Formen von Herzrasen, welche z.T. harmlos, z.T. auch lebensgefährlich sein können. Üblicherweise ist eine vorhandene Erkrankung der Herzkrankarterien (KHK) oder generell eine Herzerkrankung (strukturelle Erkrankung des Herzens mit Einschränkung der Pumpfunktion) mit einem erhöhten Risiko gefährlicher Herzrhythmusstörungen korreliert.
Eine Unterteilung von Herzrasen basiert auf dem Ursprungsort der Tachykardie (Herzrasen). So können Rhythmussörungen zum einen aus den Vorkammern des Herzens (=supraventrikuläre Tachykardie) oder aus den Hauptkammern des Herzens (ventrikuläre Tachykardie) entstehen. Zusätzlich existieren unterschiedliche Formen des Herzrasens der Vor- oder Hauptkammer, so dass eine differenzierte Unterteilung möglich ist.
Beschwerden, welche mit Herzrasen zusammenhängen können sind vor allem 1. plötzlich auftretendes Herzjagen, wobei der Puls ganz regelmäßig („wie ein Maschinengewehr“) oder aber auch stolpern kann („wie Morsen“), 2. zu schneller, „härtere“ Puls aber auch 3. Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit (Synkope). Letzteres stellt immer ein alarmierendes Warnsignal dar und sollte weiter abgeklärt werden.
Die Therapie von Herzrhythmusstörungen hat sich im Laufe der Jahre erheblich gewandelt. Zusätzlich haben neueste Erkenntnisse die Behandlungsstrategien optimiert und eine Risikoabschätzung einzelner Patienten zugelassen.
Ziel dieser Untersuchung ist es, die Art und den Mechanismus von Herzrhythmusstörungen festzustellen. Zusätzlich kann gleichzeitig eine Risikoabschätzung bei gefährdeten Patienten erfolgen.
Nach örtlicher Betäubung werden dünne Elektrodenkatheter über die Leistenvenen unter Röntgendurchleuchtung in die rechte Vor- und Hauptkammer positioniert. Diese Prozedur wird vom Patienten kaum gespürt. Über die Katheter werden die elektrischen Signale an verschiedenen Stellen des Herzens registriert und die Herzrhythmusstörung mit Hilfe von schmerzlosen Stimulationsimpulsen ausgelöst. In den meisten Fällen können diese Herzrhythmusstörungen über die gleichen Katheter auch wieder beendet werden. Nur selten ist eine Beendigung der Rhythmusstörung mit einem äußeren elektrischen Stromstoss (Kardioversion/Defibrillation) unter Kurznarkose notwendig.
Nach Diagnosestellung der Herzrhythmusstörung kann der untersuchende Arzt weitere Vorschläge zur Therapie geben und häufig in der gleichen Untersuchung eine Behandlung der Zielregion mittels Katheterablation durchführen.

Ziel der Katheterablation ist die dauerhafte Beseitigung (Heilung) von Herzrhythmusstörungen durch eine Verödung des hierfür verantwortlichen Herzmuskelgewebes. Durch Anwendung von Hochfrequenzstrom kommt es zur Erwärmung des Herzmuskelgewebes auf ca. 55-65 Grad Celsius, wodurch eine Funktionsveränderung der Zielregion mit anschließender Bildung einer kleinen Narbe (ca. 2-3 mm Durchmesser) und Verlust der elektrischen Funktion erzielt wird.
In der Regel wird die Katheterablation direkt im Anschluss an eine Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) in gleicher Sitzung durchgeführt.
Folgende unterschiedliche Herzrhythmusstörungen sind mittels Katheterablation behandelbar:


Regelmäßige Nachuntersuchungen mit Langzeit-EKG sind notwendig, um den Erfolg der Ablation zu bestimmen. Aber auch bei Patienten mit länger-anhaltendem Vorhofflimmern (persistierend) kann die Katheterablation im linken Vorhof erfolgreich sein. Allerdings sind in diesen Fällen häufig längere Prozeduren (ca. 3-5 Stunden) und aufwendige Untersuchungs- und Verödungsverfahren mittels langer Verödungsreihen notwendig (Abbildung 5).
Diese Prozedur kann in bis zu 70% der Patienten entweder komplett oder unter zu Hilfenahme von Antiarrhythmika zu Beschwerdebesserung und Rhythmusstabilisierung führen. Häufig wird aber eine Zweit- oder auch Dritt-Ablation notwendig, um die sich wieder erholende elektrische Leitung über anfangs durchgeführte Ablationspunkte zu konsolidieren. Zusätzlich besteht bei Patienten mit lang-anhaltendem Vorhofflimmern oftmals die Notwendigkeit der Behandlung auch der rechten Vorkammer (Abbildung 7).
Selten ist auch die chirurgische Behandlung von Vorhofflimmern eine Option, wenn bei einem Patienten sowieso ein operativer Eingriff am Herzen geplant ist und gleichzeitig seit längerem (permanentes) Vorhofflimmern besteht. Dieses Spezialgebiet der Herzchirurgie wurde in enger Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Herzchirurgen am Herzzentrum der Ruhr-Universität am Bergmannsheil entwickelt und weiter verfeinert. Erfolgsraten von bis zu 80% sind sehr viel versprechend und eröffnen neue Möglichkeiten der Rhythmusbehandlung und evtl. Absetzen einer Langzeit-Marcumarisierung.

Kammertachykardien/Ventrikuläre Tachykardien: Ventrikuläre Tachykardien entstehen im Gegensatz zu atrialen Tachykardien in der linken oder rechten Hauptkammer. Im Gegensatz zu vielen atrialen Rhythmusstörungen finden sich ventrikuläre Tachykardien überwiegend bei Patienten mit einer bekannten Herzerkrankung (vor allem koronare Herzerkrankung nach Myokardinfarkt). Selten existieren auch gutartige Ventrikuläre Tachykardien, die aus dem Ausflußbereich des rechten, seltener des linken Ventrikels entspringen. Diese, sog. „idiopathischen“ Ausflußtrakt-Tachykardien können hocheffektiv mit der Katheterablation – manchmal unter zu Hilfenahme moderner 3-dimensionaler Rekonstruktionsverfahren (Mapping-Verfahren) – mit einer Erfolgsrate von über 90% behandelt werden.
Ventrikuläre Tachykardien, die auf dem Boden einer bekannten Herzerkrankung entstehen, kommen vor allem durch Kreiserregungen zustande. Häufig kreisen die Rhythmusstörungen um eine alte Herzinfarkt-Narbe und können potentiell lebensbedrohlich sein. Die Katheterablation kann jedoch effektiv (> 90%) eine häufig auftretende regelmäßige Tachykardie aus der Herzkammer kurieren. Viele der so behandelten Patienten haben bereits – aufgrund der potentiellen Bösartigkeit dieser Rhythmusstörungen – einen implantierbaren Defbrillator (ICD).
Junior-Professor PD Dr. med. Thomas Deneke
Medizinische Klinik II
Universitätsklinik Bergmannsheil