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Herzinfarktverbund Bochum – Registerzahlen 1.1.2008 bis 30. 06. 2008

Mit der Gründung des Herzinfarktverbundes haben die Bochumer Kliniken mit und ohne eigener Kardiologischer Abteilung ein Register zur Erfassung von Patienten mit einem akuten Herzinfarkt eingerichtet.  Die Weitergabe von patientenbezogenen Daten erfolgt mit Zustimmung des Patienten, bzw. im Fall von nicht geschäftsfähigen Patienten (zum Beispiel bei beatmeten Patienten) in anonymisierter Form. Die Analyse der Daten erfolgt durch einen Arzt des Herzinfarktverbundes, die Daten werden entsprechend den Vorgaben des Datenschutzes nicht an Dritte weitergereicht, sie werden verschlüsselt in einem nicht zugänglichen Klinik-Rechner gespeichert.

Für das erste Halbjahr 2008 wurden 284 Patienten mit einem akuten Herzinfarkt registriert, 34% sind Frauen. Die Tabelle fasst die wichtigsten Daten zusammen:

Gesamtzahl an Herzinfarktpatienten n=284

Frauenanteil34%
Durchschnittliches Alter66 Jahre
Alters-Median68 Jahre
Alters-Range21 bis 91 Jahren

Einweisungsmodus

Selbsteinweiser 11%
über Arztpraxis 15%
über Notarzt (Telefon 112) 42%
Verlegung von einer anderen Klinik 32%

Wiederbelebung vor und bei Krankenhausaufnahme

Wiederbelebung vor und bei Krankenhausaufnahme 13%

Herzvorerkrankungen

Keine bekannt 76%
Herzerkrankung bekannt 24%

Kardiovaskuläres Risikoprofil

Mann Frau
Keine Risikofaktoren bekannt 14% 19%
Risikofaktoren bekannt 86% 81%
davon:    
Nikotinabusus 60.3% 35.0%
Bluthochdruck 70.4% 76.3%
Fettstoffwechselstörung 47.2% 50.0%
Diabetes mellitus 27.7% 40.0%

Herzinfarkt-Typ

Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) 43.9%
ST-Hebungsinfarkt (STEMI) 52.6%
Nicht klassifizierbar (LSB, Schrittmacher) 3.5%

Herzinfarkt-Lokalisation

Vorderwandinfarkt 37.2%
Hinterwandinfarkt 41.1%
Andere Lokalisation 21.7%

Therapie in der Klinik

Thrombolyse 2.4%
Akut-PTCA 59.7%
(davon mit Glykoprotein IIb/IIIa Hermmern) 68%
PTCA innerhalb von 24 Stunden* 20.6%
Medikamentöse Therapie** 17.3%
*ohne den Anteil mit der Akut-PTCA  
**Therapie mit Plättchenhemmern  
oder im Intervall operative Therapie (ACVB)

Kommentar

Schwerpunktmäßig werden im Register Patienten erfasst, bei denen eine rasche Reperfusionstherapie (=Wiedereröffnung des verschlossenen Herzinfarkt-Gefäßes) geplant ist.  Nicht oder nur unvollständig erfasst werden Patienten, bei denen aufgrund eines hohen Lebensalters, von schweren Nebenerkrankungen oder sonstigen Umständen keine Reperfusionstherapie mehr in Erwägung gezogen wird.  Auch nicht erfasst wurden Patienten, die vor der Krankenaufnahme an einem plötzlichen Herztod im Rahmen eines Herzinfarktes verstarben.

Die Hälfte der Herzinfarktpatienten ist jünger als 68 Jahre, der jüngste Patient war 21 Jahre, der älteste 91 Jahre.  Etwa ein Drittel der Herzinfarktpatienten ist weiblich. Weniger als die Hälfte der Herzinfarktpatienten (42%) ließ sich über den Notarzt (Notruf 112) in ein Krankenhaus mit einer spezialisierten kardiologischen Abteilung und einer 24 h-Rufbereitschaft für Herz-Notfälle einweisen.  Dieser Aspekt ist insofern von Bedeutung, da ein alternativer Einweisungsmodus (über Hausarzt, über Facharzt, als Verlegung über ein Krankenhaus ohne spezialisierte Kardiologie, oder als sogenannte Selbsteinweiser) zu Zeitverlusten führen kann.  Der Anteil an Patienten, die nicht innerhalb von 6 h nach Herzinfarktbeginn, sondern erst später im weiteren Verlauf einer PTCA (= Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mittels eines Ballon-Katheters im Herzkatheterlabor) unterzogen wurden, hängt vom Einweisungsmodus ab: Selbsteinweiser 19.9%, Verlegung von einem Krankenhaus ohne Kardiologie/Herzkatheter 27.5%, über Praxis 29.7%. Zum Vergleich liegt dieser Anteil bei nur 12%, wenn der Patient den Notarzt (Telefon 112) verständigte.  Die Frage nach dem Zeitpunkt der Widereröffnung eines verschlossenen Herzkranzgefäßes ist insofern von großer Bedeutung, da der Schaden am Herzmuskel im Rahmen eines Herzinfarktes umso größer ist, desto später eine Reperfusion/Wiederdurchblutung gelingt.

Bei Verdacht auf Herzinfarkt den Notarzt (nicht zu verwechseln mit dem notärztlichen Hausdienst!) zu verständigen ist aber nicht nur sinnvoll, um den Zeitablauf für eine optimale Therapie zu beschleunigen. In einem nicht unerheblichen Anteil (13%) der Fälle mussten die Patienten kurz vor oder bei der Krankenhausaufnahme wiederbelebt wurden, u.a. infolge von Kammerflimmern oder im Rahmen eines Herz-Kreislaufschockes.

In etwa ¾ der Fälle (76%) waren keine Herzerkrankungen bisher bekannt. Dagegen waren in der Mehrzahl der Fälle klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren bekannt.  Führend ist der Bluthochdruck (arterielle Hyperonie), gefolgt vom Nikotinabusus (aktuell oder Ex-Raucher), den Fettstoffwecshelstörungen, und der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).  Betrachtet man Männer und Frauen getrennt, fällt auf, dass bei Männern der Bluthochdruck und der Nikotinabusus dominiert, bei Frauen dagegen mehr der Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und der Diabetes mellitus.
Der Anteil von Patienten mit einem Nicht-ST-Hebungsinfarkt und ST-Hebungsinfarkt im initialen Elektrokardiogramm (EKG) ist etwa gleichverteilt, ein Herzinfarkt im Bereich der Hinterwand ist die häufigste Lokalisation. Zur Wiedereröffnung eines verschlossenen Herzinfarktgefäßes kommt in Bochum nur noch selten eine Thrombolyse-Therapie (=intravenöse Verabreichung eines Spezial-Medikamentes welches das verschlossene Herzkranzgefäß wiedereröffnet, allerdings mit dem Risiko von schweren Blutungskomplikationen) zur Anwendung.  In der Mehrzahl der Fälle (80.3%) wird mittels eines Ballonkatheters in einem Herzkatheterlabor das verschlossene Herzkranzgefäß wiedereröffnet (=PTCA; perkutane transluminale coronare Angioplastie).  Wie oben schon erwähnt, wird diese Wiedereröffnung zeitlich gesehen innerhalb der ersten Herzinfarktstunden nur in 59.7% der Fälle durchgeführt, in 20.6% der Fälle kommt diese Maßnahme erst innerhalb von 24 h nach Herzinfarktbeginn zur Anwendung.  Da mit der zeitlichen Verzögerung der Nutzen sinkt, ist es sinnvoll, Maßnahmen zu überdenken, „Umwege“ in der Behandlungskette zu minimieren bzw. zeitlich weiter zu straffen.  In etwa 17% der Fälle ergibt die initiale Notfall-Herzkatheteruntersuchung keinen Ansatz für eine sinnvolle Ballon-Intervention, es wird eine medikamentöse Therapien eingeleitet oder in Einzelfällen auch eine operative Therapie (=aortokoronare Bypass-Chirurgie) im Intervall veranlasst.

Zusammengefasst ermöglicht der Herzinfarktverbund erstmalig Einsichten in das Management von Herzinfarktpatienten im Raum Bochum. Die Analyse der Registerdaten bietet bereits erste Ansätze, wo und wie die Behandlungskette im Rahmen eines Herzinfarktgeschehens weiter verbessert werden kann. Zur konkreten Umsetzung müssen sich die beteiligten Partner in Bochum (Feuerwehr/Notarzt, Haus- und Fachärzte, Medizinische und Kardiologische Kliniken, Patientenselbsthilfegruppen und der Herz-Kreislaufverein Ruhr-Mitte e.V.) an eine Tisch setzen, Behandlungsabläufe abstimmen und Aufklärungskampagnen für potentiell betroffene Bürger/innen konziperen, gerade dies ist das Anliegen des Herzinfarktverbundes Bochum.  Unser Ziel kann es nur sein, dass jeder Patient mit einem akuten Herzinfarkt im Raum Bochum optimal medizinisch versorgt wird.


Für die Mitglieder des Herzinfarktverbundes Bochum
Univ.-Prof. Dr. med. Andreas Mügge
Direktor der Kardiologie am St. Josef-Hospital und Bergmannsheil
Kliniken der Ruhr-Universität Bochu
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